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Graue Energie und graue Emissionen im Bau- und Immobiliensektor

Aktualisiert: 22. Jan.

Thomas Gawlitta, Gründer Gawlitta.com


Wenn wir an Klimaschutz denken, fallen uns vor allem die häufig diskutierten Verursacher von Treibhausgas-Emissionen ein: Energieerzeugung, Verkehr, Massentierhaltung. Jedoch kommt in der Debatte oft zu kurz, dass auch der Bausektor eine entscheidende Rolle für das Erreichen unserer Klimaschutzziele spielt. Denn laut einer Studie, die die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) gemeinsam mit Prognos, Fraunhofer IAO und dem Leonhard Obermeyer Center im Jahr 2021 herausgegeben hat, sind der Bau und Betrieb von Gebäuden für über 40 Prozent der deutschen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.


Einen großen Beitrag dazu leistet die sogenannte graue Energie. Der Begriff beschreibt jene Energie, die notwendig ist, um ein Gebäude herzustellen, instand zu halten, zu modernisieren und rückzubauen. Hierzu zählen die Herstellung und Verarbeitung von Materialien, der Transport von Menschen und Bauteilen, der Einbau letzterer in das Gebäude, anfallende Entsorgungsarbeit und der Abriss. Aus dieser grauen Energie ergeben sich schließlich die grauen Emissionen – jene Emissionen, die nicht durch den Betrieb eines Gebäudes, sondern durch dessen Produktion, Instandhaltung, Modernisierung und Rückbau anfallen. So entstehen laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) bei einem durchschnittlichen Neubau bereits in der Herstellung und der Errichtung 50 Prozent des Energieaufwands und der Emissionen, die sich über einen Lebenszyklus von 50 Jahren ergeben würden. Allein bei der Produktion der Baustoffe würden hierzulande etwa acht Prozent aller Treibhausgas-Emissionen ausgestoßen, was in etwa jenen des durchschnittlichen jährlichen Flugverkehrs der Deutschen entspreche. Die Herstellung von Baustoffen fällt je nach Material unterschiedlich aufwändig aus: Während manche auf erneuerbaren Ressourcen wie Holz oder anderen Pflanzen basieren, werden andere zum Beispiel aus Erdöl gewonnen.


Laut VBW ist beispielsweise die Produktion von Stahl und Zement besonders CO2-intensiv. Die Vereinigung sieht hier einen wichtigen Ansatzpunkt für eine Veränderung des Bausektors zugunsten mehr Klimaschutz: Durch regionale Materialien und ressourcenschonendes Bauen ließen sich graue Emissionen deutlich minimieren. Einen weiteren Ansatzpunkt biete die sogenannte Kreislaufwirtschaft. Der Begriff bezeichnet die erneute Verwendung von Baustoffen, die in anderen Gebäuden nicht mehr benötigt werden. Und auch für die energetische Sanierung braucht es laut VBW schnell umsetzbare, bezahlbare und gleichzeitig klimafreundliche Lösungen.


Beurteilt man die Klimabilanz eines Gebäudes, sollte also nicht nur die Nachhaltigkeit des Betriebs beurteilt werden. Denn für unsere Klimaschutzziele sind eine ressourcenschonende, nachhaltige Kreislaufwirtschaft und die Minimierung von Bau- und Abbruchmaterialien essenziell. Der NABU fordert deswegen von der Politik, dass sie nicht nur den Energieverbrauch für das Heizen und Kühlen von Gebäuden, sondern auch ihren gesamten Lebenszyklus sowie die grauen Energien und Emissionen zu einem Thema macht. „Der Klimaschutz erfordert somit ganz klar entschlossenes Handeln“, schreibt auch Wolfram Hatz in der Studie der VBW. „Weil wir auch in Zukunft Häuser, Verkehrswege und Anlagen brauchen werden, müssen wir dringend Lösungen finden klimafreundlicher zu bauen und Emissionen im Betrieb einzusparen.“

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